Vom Kaukasus über Kasachstan nach Sibirien.

Diese Rubrik - Kasachstan ist guten Freunden von uns gewidmet - Robbi und Kati. Beide haben sich in den Kopf gesetzt, bevor sie entgültig nach Australien auswandern, wird noch ein halbes Jahr eine Expedition vom Kaukasus, über Kasachstan nach Sibieren gemacht. Gesagt getan. Vom Frühjahr bis Herbst 2010 haben beide mit Ihren Toyota HZJ es getan - und nicht bereut. Aber schaut selbst. 

Robby und Kati durch Kasachstan

 

Hallo an alle,
seit der letzten mail hatten wir weder Handyempfang, noch einen Internetzugang. Die letzten zwei Wochen haben wir uns komplett im wunderschönen Kaukasus aufgehalten und sind viel gewandert. Der Kaukasus ist echt riesig, ca. 2,5 mal so gross wie ganz Deutschland!!!
Am Anfang sind wir viel durch bewaldete Riesentäler gefahren, mit urwaldähnlichen Wäldern und sehr grossen Bäumen und Farnen, Moosen und Flechten. Dort sind uns viele Holzis (sehr schwere, mit Stämmen beladenene (kaum TÜV-gerecht gesichert) russische LKWs begegnet. Es findet hier allerdings kein Kahlschlag statt, sondern es werden sehr gezielt einzelne Bäume gefällt. Wie wir finden, eine sehr naturschonende Art zu roden.

Robby durch Kasachstan

 

Wir haben uns durch die Täler weiter vorgearbeitet bis zum Hochplateau von 2000 bis 2500m nördlich des Elbrus. Auf dem Weg dahin haben wir noch Bekanntschaft mit einem 38jährigen Einsiedler gemacht, Schenia (eigentlich Sergejev). Der lebt seit 19 Jahren in einem einsamen und recht unzugänglichen Tal, mit seinen Kühen, Pferd Vaska, Hunden und Katze und jagt regelmässig Ture und Schweine. Zu ihm geführt haben uns die Jagdinspektoren. 

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Der Kaukasus gilt aus gutem Grund als das schoenste Gebirge Europas (sehr viele Arten kommen nur hier vor und sonst niergendwo) mit der groessten Artenvielfalt. Der Kaukasus ist ein wunderschoenes Gebirge mit Bergen bis ueber 5000m, total unzugaenglich. Eigentlich kann man mit dem Auto nur die grosssen Haupttaeler befahren. Will man ins naechste Tal, dann muss man zurueck bis ins Flachland und dann das naechste grosse Tal wieder hinauf. Das dauert dann also fast einen Tag und bedeutet eine Fahrt von ca. 150 km. Das liegt daran, dass man die kaum vorhandenen Querverbindungspisten zwischen den Taelern nur mit einem Ural 6x6 oder Kettenfahrzeug meistern kann…. Also wir nicht… ;)  Will man in die zentralen Bergregionen vordringen, dann bedeutet dies eine Expedition von mehreren Wochen mit Pferden.
Diese Taelerumfahrung bedeutet dann auch, dass man immer einen Wechsel von zeitigem Fruehjahr (beginnende Blaetter sprießen, laues Lueftchen) in den Bergen und Hochsommer im Tal erlebt (30 Grad im Schatten, volles Gruen ueberall).

Seeadler in Kasachstan

 

Die Unzugaenglichkeit fuehrt  dazu, dass die Natur voellig ihre Ruhe vor dem Menschen hat. In den menschenunzugaenglichen Gebieten gibt es viele (riesengrosse!!!)Wisente, viele Woelfe (Rot- und Grauwolf), den syrischen Braunbaeren (ganz wuscheliges Fell!!), Kuban-Ture (aehnlich wie Steinboecke) und noch viel mehr. Aber in den Haupttaelern gibt es auch sehr viel zu entdecken, da vor allem Voegel und Froesche. Der Mensch hat es hier noch nicht geschafft, viel zu zerstoeren. Sobald es bergig wird, gibt es nur noch Wildnis und Urwald, auf 2500m liegen noch immer 3 m Schnee. Die Leute hier sagen, im Winter sind 12 (!!) m Schnee auch normal. 

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Es ist hier alles viel einfacher. Viele Dinge gibt es nicht, werden auch nicht gebraucht. Muss man was kopieren oder ausdrucken, geht man in die Bibo, hier werden Dinge in Hefte und Buecher aufgeschrieben, Digitalisierung gibt es nicht. Um zwei Stromleitungen an der Strasse auseinander zu halten, genuegt ein Stein, der an einem Draht an der unteren Leitung haengt: funktioniert perfekt und immer und sie brauchten keinen Ingenieur und keine Fabrik dafuer. Kennt ihr noch die Geschichte: die Raumfahrt hat lange an einem Kuli getueftelt, der auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Der Russe nimmt einfach einen Bleistift!  ja, genau so ist es. Man nimmt, was man hat, und gut. Das ist sicher manchmal gar nicht so schlecht.

Die letzten Tage haben wir in der Huegel-Seen-Landschaft und im Wolga-Delta verbracht. Das Wolga-Delta beginnt ganz im Norden mit vier Armen, unten im Sueden sind es dann unzaehlige, ueber eine Breite von 200 km und mehr. Das ist eine Flaeche von 20.000 Quadratkilometern (Thueringen hat ungefaehr 16.000!) Also von Eisenach bis Gera alles voller Wasser, Schilf, Flussarmen, ueberfluteten Wiesen...Durch das Schmelzwasser steigt hier jeden Fruehling der Wasserspiegel noch mal um bis zu 1,5 m an. Dann sind die meisten Wege unter Wasser. Die ganze Region quillt ueber mit Leben und Biomasse. Massig Fische laichen in den warmen flachen Zonen (ueber 300 Arten), groessere bedienen sich reichlich in diesem Kindergarten und fressen sich die Baeuche voll. Robbi hat es trotzdem geschafft, verschiedene Fische zu angeln.

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Kasachstan ist ein sehr zivilisiertes und verhaeltnismaessig wohlhabendes Land (im durchschnitt verdienen sie hier 800 Dollar). Die Relationen sind einfach anders - auch in einem Krankenhaus. die Staedte sind auch sehr sauber, ordentlich und modern. Kaum Kriminilitaet, sie fahren sehr gesittet. Ach uebrigens, die entflohenen Haeftlinge. Ganz Kasachstan war schockiert, solche dinge sind hier scheinbar sehr selten: Es kam wohl zu einer wilden  Verfolgungsjagd, die Haelfte der Haeftlinge wurde erschossen bzw. hat sich mit dem auto selbst gesprengt... jetzt koennen die Kasachen wieder ruhig schlafen und wir auch.

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Uebrigens ist Almaty die heimliche (und ehemalige) Hauptstadt von Kazachstan und fuer eine Millionenstadt total toll. An den Ampeln und Kreuzungen haengen riesige Schilder mit den Strassennamen. Das ist echt ein Segen fuer den Beifahrer, der immer sagen muss, wo es lang geht. Fast alle Strassen sind 6-spurig, die Breite von ueber 35 m wurde schon Anfang des Jahrhunderts von den Stadtplanern so festgelegt. Alles ist gruen, voller Baeume und Parks... das bringt immer angenehmen Schatten bei 35-40 Grad hier.
Und wenn man hier so eine Weile in diesem Land und diesen Staedten reist, dann fragt man sich: warum will man zu Hause nur immerzu Geld von mir haben??? fuer´s Pullern, fuer´s Parken... das kommt einem hier echt spanisch vor. Also hier kann man immer und ueberall am strassenrand parken. die leute sind total nett und tolerant, zu kaufen gibt es hier auch alles... bis hin zur ARB-Filiale. Das sieht man auch an den unendlich vielen umgebauten Gelaendewagen. Die Berge hinter der Stadt, das Ili-Delta davor und die Steppe ringsrum. Sicher kein schlechter Ort zum Leben! Es ist uns nicht verstaendlich, warum hier so wenige westliche Touristen sind... wir haben noch immer nicht einen einzigen getroffen!

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Sibirien (besonderns Westsibirien) ist eine Schatzkammer, randvoll gefüllt mit Erdöl und -gas, aus der sich auch Deutschland bedient. Das Gas braucht für ca. 5000 km ca. 7 Tage durch die Pipelines, bevor es euer Kaeffchen erwaermt. Vor Pi mal Daumen 100-200Millionen Jahren ist es entstanden...so lang wird es sicher nicht reichen. In ganz Westsibirien fördert man Öl und Gas. Viele Städtchen sind in den letzten ca. 20-30 Jahren nur aus diesem Grunde hier entstanden. Dafür kamen viele Arbeiter aus dem Süden Rußlands hierher, z.B. aus Aserbaitschan, Turkmenistan... deshalb sind hier viele Menschen total dunkelhäutig. Die Öl- und Gasanlagen sehen meist recht modern aus. Umweltverschmutzung ist für uns als Laien nirgendwo zu erkennen.


Neben den "Ölis" wohnen hier überall verstreut die Nemsen (russisch: Nenez; die Nensen wohnen grob: über dem Polarkreis, die Chanten darunter), die Ureinwohner des Nordens. Früher zu Sowjetzeiten versuchte man sie mit unterschiedlichem Erfolg seßhaft zu machen. Die Nemsen leben entfernt der Zivilisation in Zelten aus Tierfellen wie viele Generationen vor ihnen. Sie lieben die Weite und Freiheit der Taiga/Tundra. Die Rentierherden umfassen  100e bis 1000e von Tieren, halbwild.

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